Die Merkur Group: Entwicklung eines Familienunternehmens in der Glücksspielbranche
Die Merkur Group mit Sitz in Espelkamp blickt auf eine lange Geschichte zurück, die 1957 mit der Gründung durch Paul Gauselmann begann. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt Spielautomaten, betreibt Spielhallenketten und ist in weiteren Bereichen wie Sportwetten, Online-Gaming, Finanzdienstleistungen und Spielbanken tätig. Heute firmiert es als Merkur.com AG und agiert als Familienstiftung.
Gründung und frühe Jahre
Paul Gauselmann gründete das Unternehmen 1957 in Espelkamp. Zuvor arbeitete er 1956 bei einem Spielautomatenimporteur in Coesfeld und konstruierte ab 1956 für Harting in Espelkamp elektronische Musik- und Zigarettenautomaten. Ab 1960 leitete er dort die Entwicklungsabteilung für Automaten. Parallel baute er sein eigenes Geschäft auf. 1958 stieg sein Bruder Willi Gauselmann ein, 1962 folgte Eugen Gauselmann. Das Unternehmen firmierte als Gebrüder Gauselmann. 1964 gab Paul Gauselmann seine Tätigkeit bei Harting auf und konzentrierte sich ganz auf die Firma, die bereits 15 Mitarbeiter zählte. Das Geschäftsmodell bestand zunächst im Aufstellen importierter Musikautomaten aus den Vereinigten Staaten in Gaststätten.
1970 begann der Vertrieb von Automaten fremder Hersteller. Ab 1972 entwickelte das Unternehmen eigene Spielautomaten. 1974 eröffnete in Delmenhorst die erste Spielhalle unter dem Namen Casino Merkur-Spielothek. Im Dezember 1976 erteilte die Physikalisch-Technische Bundesanstalt die Zulassung für den ersten eigenen Spielautomaten, der ab 1977 als Merkur B vertrieben wurde. Die Unternehmen der damaligen Gauselmann-Gruppe wurden 1980 in der Gauselmann AG zusammengefasst.
Expansion und internationale Schritte
Seit 1986 ist die Gruppe außerhalb Deutschlands unter der Marke Merkur aktiv. Im selben Jahr setzte die damalige Gauselmann-Gruppe bundesweit 650 Millionen Deutsche Mark um und beschäftigte mehr als 3250 Vollzeitkräfte sowie 69 Auszubildende. 1991 überschritt der Jahresumsatz erstmals die Marke von einer Milliarde Deutsche Mark. 1999 wurde die Paul und Karin Gauselmann Stiftung gegründet, die soziale und kulturelle Projekte fördert. 2005 entstand die Merkur Gaming GmbH, die innerhalb der Gruppe die Entwicklung und den Vertrieb von Geldspielgeräten übernahm. Im Jahr 2013 stieg das Unternehmen in den Spielbanken-Bereich ein. 2016 erhielt es eine Genehmigung für den Betrieb von vier Spielbanken auf Kreuzfahrtschiffen der Reederei TUI Cruises. Insgesamt produzierte die Gruppe bis 2017 über zwei Millionen Spielautomaten der Marke Merkur.
Die Gruppe erzielte im Jahr 2024 mit 14.328 Mitarbeitenden einen Umsatz von 2,770 Milliarden EUR.
Neuere Entwicklungen und Struktur
2020 wurde die Gruppe Hauptanteilseigner des Internetwettenanbieters Bede Gaming. Im Juli 2021 übernahm sie die vier Westspiel-Casinos des Landes Nordrhein-Westfalen. 2021 betrieb sie europaweit über 800 Spielhallen, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Zum 27. April 2022 eröffnete sie die ersten in Deutschland lizenzierten Online-Spielotheken JackpotPiraten und BingBong auf Basis einer Erlaubnis durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021. Am Jahresbeginn 2024 wurde die Gauselmann AG in Merkur.com AG umbenannt. Zum 1. Oktober 2024 ging Gründer Paul Gauselmann in den Ruhestand. Sein Nachfolger als Vorstandssprecher wurde Lars Felderhoff. Den Aufsichtsrats- und Stiftungsvorsitz übernahm sein Sohn Michael. Zum 1. Juli 2025 übernahm die Merkur Group die Spielbanken in Niedersachsen von Casino Austria International. Im September 2025 kaufte sie die amerikanische Software-Gamesfirma Gaming Arts auf. Gründer Paul Gauselmann starb am 19. August 2026 im Alter von 91 Jahren. Die Merkur Group ist seit 2016 eine Familienstiftung der vormaligen Inhaberfamilie Gauselmann. Stand 31. Dezember 2023 ist sie an 241 Unternehmen beteiligt. Etwas mehr als die Hälfte dieser Unternehmen hat den Firmensitz in Deutschland. Die Gruppe ist an Spielbanken in Deutschland beteiligt und betreibt weitere Spielbanken auf Kreuzfahrtschiffen. Sie vermarktet und betreibt auch Online-Casino-Lösungen, Online-Spiele und Sportwetten unter dem Dach der adp Merkur GmbH.
Sponsoring und gesellschaftliches Engagement
Die Merkur Group ist bundesweit im Sponsoring aktiv. Sie hat die Namensrechte am Stadion Merkur Spiel-Arena, in dem Fortuna Düsseldorf seine Heimspiele austrägt, und unterstützt verschiedene Vereine des deutschen Profifußballs, darunter RB Leipzig, DSC Arminia Bielefeld und FC Schalke 04. Neben dem Sport ist die Gruppe Partner mehrerer Festivals in Deutschland wie dem Parookaville. Seit April 2026 ist Merkur für zehn Jahre Sponsor der Merkur Ostseehalle in Kiel. Weitere Einblicke in die Markenentwicklung zwischen 1984 und 1993 bietet ein separater Hintergrundartikel auf dieser Seite. Laut Wikipedia spiegelt die Entwicklung der Gruppe die Veränderungen in der gesamten Glücksspielbranche wider, von mechanischen Automaten bis hin zu digitalen Angeboten. Die Umstellung auf eine Familienstiftung 2016 sicherte die langfristige Ausrichtung und ermöglichte kontinuierliche Investitionen in neue Märkte. Die Beteiligung an 241 Unternehmen zeigt die Breite des Portfolios, das von Produktion über Betrieb bis zu digitalen Plattformen reicht. Mit mehr als der Hälfte der Firmen in Deutschland bleibt der Kern der Aktivitäten im Heimatmarkt verankert, während internationale Expansionen wie die Übernahme von Gaming Arts oder die Kreuzfahrt-Spielbanken zusätzliche Wachstumsfelder erschließen. Die Mitarbeiterzahl von 14.328 im Jahr 2024 und der Umsatz von 2,770 Milliarden EUR unterstreichen die wirtschaftliche Bedeutung. Sponsoring-Engagements wie das Stadion oder Festival-Partnerschaften verbinden das Unternehmen mit der breiteren Öffentlichkeit und schaffen Sichtbarkeit jenseits der Spielstätten. Die schrittweise Erweiterung der Geschäftsfelder vom reinen Automatenvertrieb hin zu Spielbanken und Online-Angeboten erfolgte über Jahrzehnte und passte sich regulatorischen Rahmenbedingungen an. Die frühe Konzentration auf eigene Entwicklungen ab 1972 legte den Grundstein für die Marke Merkur, die seit 1977 besteht. Die Umbenennung in Merkur.com AG 2024 markiert den Übergang zu einer stärker digital ausgerichteten Identität. Mit dem Wechsel in der Führung 2024 bleibt die Familienstiftung das tragende Element der Unternehmensstruktur. Historische Meilensteine wie die erste eigene Halle 1974 oder die Milliarden-DM-Umsatzmarke 1991 illustrieren den kontinuierlichen Aufbau. Die Beteiligungen an Spielbanken auf Kreuzfahrtschiffen und in mehreren Bundesländern ergänzen das stationäre Netz von über 800 Spielhallen europaweit. Digitale Lizenzen ab 2022 erweitern das Angebot auf Online-Spielotheken. Das Sponsoring von Sportvereinen und Veranstaltungsorten wie der Ostseehalle zeigt die Verankerung in regionalen und nationalen Kontexten. Insgesamt bildet die Merkur Group ein Beispiel für ein gewachsenes Familienunternehmen, das sich über Jahrzehnte in einem regulierten Umfeld behauptet hat und seine Aktivitäten breit aufgestellt hat.