Deutsches Automatenmuseum: Wie die Sammlung Gauselmann Automatengeschichte lebendig hält
Im westfälischen Espelkamp beherbergt Schloss Benkhausen eine ungewöhnliche Sammlung: Das Deutsche Automatenmuseum – Sammlung Gauselmann zeigt rund 200 historische Automaten aus der Zeit zwischen 1888 und 1977, von Wahrsageautomaten über Musikboxen bis hin zu frühen Geldspielgeräten. Betrieben wird die Ausstellung von der Unternehmerfamilie Gauselmann, ist aber ausdrücklich kein Firmenmuseum der Marke MERKUR, sondern ein Ort, der die technikgeschichtliche Entwicklung münzbetriebener Automaten dokumentiert.
Wie es in einer Beschreibung von merkur.com heißt, führt die private Sammlung Besucherinnen und Besucher in eine „faszinierende Welt der historischen Münzautomaten“. Ausgangspunkt der Entwicklung war das Jahr 1857, als in England das erste Patent für einen münzbetriebenen Automaten angemeldet wurde – ein Gerät, das Briefmarken ausgab. Mit der fortschreitenden Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts nahm der Siegeszug der Waren- und Dienstleistungsautomaten seinen Lauf, die es jedem gegen eine einzelne Münze ermöglichten, an technischen Neuerungen teilzuhaben.
Von Kraftmessern bis zum Flipper
Ein Schwerpunkt der Sammlung liegt auf frühen Unterhaltungsautomaten, die ohne Geld- oder Warengewinn allein dem Zeitvertreib dienten. Typisch waren Kraftmesser, Wahrsagegeräte, Bildbetrachter oder sportliche Wettkampfautomaten, die in Gaststätten, Biergärten, an Ausflugszielen und auf Jahrmärkten aufgestellt wurden. Auch die Vorgeschichte des heute bekannten Flippers wird im Museum nachgezeichnet: Sie reicht von den Bagatellspielen des 18. Jahrhunderts über die Nadelspiele des 19. Jahrhunderts und die sogenannten Bomber-Geräte bis zum modernen Flipper, den es laut Museumsangaben erst seit 1947 gibt. Verbindendes Element über all die Jahrhunderte hinweg blieb dabei stets die Kugel.
Musikautomaten und das Geldspiel als deutsche Erfindung
Ein weiterer Ausstellungsbereich widmet sich der Geschichte der Musikautomaten – von der mechanischen Stiftwalze über Lochscheiben bis zu Tonträgern aus Schellack und Vinyl. Bereits 1927 brachte die US-amerikanische Automatic Musical Instrument Company mit dem „National Automatic Selective Phonograph“ einen frühen Vorläufer der Jukebox auf den Markt, der erstmals einen Röhrenverstärker nutzte. Auch Geschicklichkeits- und Glücksspielautomaten sind Teil der Sammlung: Während das automatische Glücksspiel bereits seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts existiert und besonders in den USA stark verbreitet war, gilt das Geldspiel in seiner heutigen, gesetzlich geregelten Form als deutsche Erfindung. Es geht auf eine Gesetzgebung aus dem Jahr 1953 zurück, mit der Geldspielgeräte in der Bundesrepublik Deutschland erstmals einheitlich reguliert wurden.
Auf einen Blick
- Name: Deutsches Automatenmuseum – Sammlung Gauselmann
- Standort: Schloss Benkhausen, Schlossallee 1 (Neustadtstraße 40), 32339 Espelkamp
- Exponate: rund 200 historische Automaten von 1888 bis 1977
- Träger: Unternehmerfamilie Gauselmann (privates Museum, kein Firmenmuseum)
- Besonderheit: aktuelle Sonderausstellung zum Thema Jahrmarkt sowie virtueller Rundgang online verfügbar
Schloss Benkhausen als Ausflugsziel
Das Museum liegt eingebettet in die Parklandschaft von Schloss Benkhausen und ist damit auch Teil eines größeren Freizeitangebots. Vor Ort stehen kostenlose Parkplätze zur Verfügung, nach dem Museumsbesuch können Gäste im hauseigenen Café „Rente“ einkehren oder auf dem Rundwanderweg entlang des Mittellandkanals sowie durch Wiesen und Wälder spazieren gehen. Ergänzend bietet die Sammlung Gauselmann einen virtuellen Rundgang an, über den sich Interessierte bereits vorab einen Eindruck von den historischen Geräten verschaffen können.
Mit dem Museum unterstreicht die Gauselmann-Familie, die mit MERKUR eine der bekanntesten Marken der Automatenbranche im deutschsprachigen Raum aufgebaut hat, ihr Interesse an der kulturhistorischen Aufarbeitung der Branche – losgelöst vom laufenden Geschäftsbetrieb. Einen Überblick über die geschäftliche Entwicklung der Marke liefert etwa der Beitrag „50 Jahre MERKUR CASINO: Wie Spiele-Innovationen zum Erfolgsfaktor wurden“, der die Firmengeschichte aus produktseitiger Perspektive beleuchtet. Das Automatenmuseum in Espelkamp hingegen richtet den Blick bewusst zurück auf die Wurzeln der gesamten Automatenindustrie, unabhängig von einzelnen Herstellermarken.